Grundstücksschenkung in der Familie – ab 1. Jänner 2016 teurer oder billiger?

120 Stellungnahmen sind bis zum 19.6.2015 zum Begutachtungsentwurf des Finanzministeriums für ein Steuerreformgesetz 2015/2016 eingegangen. Am 17. Juni ist die Regierungsvorlage im Nationalrat eingelangt. Nun folgt das parlamentarische Verfahren. Gegenüber dem Ministerialentwurf gab es doch einige Änderungen. Aber die Frage, die sich jetzt viele Liegenschaftseigentümer stellen, bleibt: soll ich heuer noch schenken oder erst im nächsten Jahr.

Die Antwort kann nicht pauschal gegeben werden. Jeder Fall muss individuell betrachtet werden.

Ein Beispiel: Ein Ehepaar bewohnt eine Eigentumswohnung. Der Verkehrswert beträgt 200.000 Euro. Der Einheitswert aber nur 20.000 Euro. Bei einer Schenkung an ein Kind bis zum 31.12.2015 wird die Grunderwerbsteuer (GrESt) vom 3-fachen Einheitswert (also 60.000 Euro) berechnet. Der Steuersatz beträgt 2%. Die GrESt-Belastung beträgt daher 1.200 Euro. Wird die Wohnung nach dem 31.12.2015 geschenkt, dann ist die Steuer zwar vom Grundstückswert zu berechnen, es kommt aber der neue Stufentarif zur Anwendung. Im konkreten Beispiel würde die Steuer auf Basis der Regierungsvorlage 1.000 Euro betragen. Es würde sich daher lohnen, mit der Schenkung zuzuwarten.

Generell kann aufgrund des Stufentarifs erwartet werden, dass die Schenkung bis zu einem Verkehrswert von 250.000 Euro nach dem 31.12.2015 billiger werden wird, liegt der Verkehrswert über 250.000 Euro wird die Schenkung wahrscheinlich teurer werden, weil dann nicht mehr der günstige Steuersatz von 0,5% sondern der Steuersatz von 2% zur Anwendung gelangt.

Hier zur Übersicht die künftigen Steuersätze bei Schenkungen (Stufentarif):

Für die ersten 250.000 Euro        0,5%
für die nächsten 150.000 Euro     2%
darüber hinaus                             3,5%

Beispiel: Der Grundstückswert beträgt 550.000 Euro. Die ersten 250.000 Euro werden mit 0,5% besteuert (das sind 1.250 Euro), die nächsten 150.000 mit 2% (das ergibt 3.000 Euro) und die restlichen 150.000 Euro mit 3,5% (das sind 5.250 Euro). Insgesamt beträgt die Steuer in diesem Beispiel 8.500 Euro.

Fazit: Individuell beraten lassen und nichts übereilen. Derzeit liegt ein Gesetzesentwurf vor, der im parlamentarischen Verfahren noch abgeändert werden kann. Mit dem Gesetz kann im Herbst gerechnet werden, dann bleibt noch genug Zeit für die allfällige Schenkung.

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